Archiv 2004

Aufnahme des Ordens von "Port Royal" in die alt-katholische Kirche

Am 25. September schloß sich mit einem Festgottesdienst zur 800 - Jahrfeier von Port Royal die "Ökumenische Zisterzienserabtei St. Severin des Ordens von Port Royal dem Katholischen Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland an.

Zu dem Ordenskonvent gehört der in Dresden lebende Pater Hubert Michael Schweizer. Er war zuvor vom Kirchenvorstand unserer Gemeiden auf seinen Antrag hin in die Gemeinde aufgenommen worden.

 

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Dekanatstag 2004 in Varnsdorf (Tschechische Republik)

,,Stavime mosty“

,,Budujemy mosty“

,,Wir bauen Brücken“

In drei Sprachen, polnisch, tschechisch und deutsch, war das Thema des Dekanatstages am 8. Mai auf einem großen Plakat zu lesen. Eine Woche zuvor wurde unter großem Medienrummel im Dreiländereck bei Zittau durch die politische Öffentlichkeit die EU-Erweiterung in den Blickpunkt gerückt. Unser Treffen sollte weiterführen:

"Was ist Europa?“ — War die Frage in der Andacht als Auftakt des Tages. Durch die liebevoll restaurierte alt-katholische Kirche ertönte das ,,Te Deum“ von Charpentier, bekannt als die ,,Eurovisionshymne“.

Europa: Das sind die vielen Nationen, Kulturen, unterschiedlichen Sprachen. die großen Entfernungen von Ost nach West und von Nord nach Süd!

Europa: Das sind aber vor allem die Menschen, die über Brücken zueinander kommen müssen, vor allem die, die nebeneinander leben, also wir Versammelten. Brücken brauchen feste Steine, die diese halten.

Was ist zu tun? Das war die Frage bei der Vorbereitung des Tages. Das tschechische und deutsche Pfarramt wurde aktiv. Von Christa Gersch kam die Idee und sie wurde schnell aufgegriffen: Reden wir nicht zu viel an diesem Tag, nicht nur wegen der drei Sprachen. ,,Gehen“ wir einfach miteinander, lernen wir uns kennen, lernen wir Varnsdorf kennen, einen Ort, der für die Geschichte Europas und unserer Kirche eine Bedeutung hat. Tauschen wir uns dabei aus über unsere Hoffnungen und Sorgen.

Drei markante Punkte haben wir für den Stadtrundgang ausgewählt:

1. Den Friedhof der Stadt. Hier ist das Grab des ersten Bistumsverwesers Amandus Czech (1855-1922). Er leitete einige Jahre die alt-katholische Kirche. Damals war Varnsdorf zu Österreich gehörig. Ein Bischof durfte noch nicht gewählt werden. Hier ist auch das Grab von Bischof Alois Paschek (1869- 1946). Letzterer hat sich eingesetzt für das gute Zusammenleben von Tschechen und Deutschen und hat gelitten als dieses plötzlich nicht mehr möglich war. Zwei Europäer damals?

Josef König vom tschechischen Synodalrat aus Prag konnte lebendig ein Lebensbild des Bischofs darstellen. Zeitzeugen, wie Helga Brauer aus Zeitz, unterstrichen dies mit eigenen Erlebnissen. In den sächsischen Gemeinden leben noch Menschen, die in ihrem Leben sechs Mal die Staatsbürgerschaft wechseln mussten ohne jemals ihre Heimatregion verlassen zu haben. Auch das ist Europa.

Während eines Gebetes an den Gräbern der "Kirchenväter" wurde ein Licht angezündet und eine Blumenschale niedergelegt.

2. Den Burgsberg, Hausberg der Stadt. Nach seinem baulichen Verfall in der Nachkriegszeit bis zur Wende ist der Turm bereits herrlich restauriert. Sein Aufbau ist ein Symbol grenzüberschreitenden Handelns. Ein deutsch/tschechischer Verein ist dabei aktiv. Ein Varnsdorfer Bürger, dessen Mutter aus Großschönau stammt, brachte uns seine hundertjährige Geschichte nahe (11.5.1904 erbaut).

Großes Staunen herrschte beim klaren Blick über das Gebiet der Grenzregion und viele wussten nicht, was ist eigentlich tschechisches oder deutsches Gebiet.

3. Die röm.-kath. Barockkirche St. Peter und Paul am Markt: Die restaurierte Innenausstattung brachte alle zum Staunen und Schweigen. Selbst „alte Warnsdorfer“ waren noch nie in dieser Kirche. Auch das ist Europa, dass sich die Kirchen öffnen. Beethovens ,,Missa solemnis“ wurde hier uraufgeführt. Was kann die Völker mehr verbinden als die Musik? Wir erlebten die Akustik mit unserem Singen von Taize - Liedern.

Wer in einer solchen Gruppe an einem Nachmittag so "Europa durchwandert", der braucht auch Verschnaufpausen. Sie waren gegeben mit einem deftigen böhmischen Mittagessen bei Knödeln und Bier in einem böhmischen Gasthaus.

Zwischen Wanderung und Abschlussgottesdienst gab es eine liebevoll gerichtete Kaffeetafel im Erdgeschoß des Pfarrhauses.

Den guten Abschluss bildete die festliche Eucharistiefeier, die von Dekan Urbisch mit dem polnischen Pfarrer Belniak, dem tschechischen Pfarrer Solloch und Pfarrer Gersch gefeiert wurde. Gesungen und gebetet wurde dreisprachig. Das machte das Anliegen des Tages besonders deutlich. In aller Verschiedenheit haben wir nur das eine Ziel: Der Friede Gottes soll uns im geeinten Europa verbinden und uns in unseren Gemeinden begleiten beim Brückenbauen.

Damit unsere ,,Brücken“ auch für die Zukunft begehbar sind, haben wir Stützsteine mit eingefügt. Statt einer Predigt haben wir jedem Stein in unseren drei Sprachen einen Namen gegeben und seine Aufgabe erklärt: Liebe, Frieden, Gerechtigkeit, Zuversicht, Freude, Hoffnung, Freundschaft. Den Schlussstein bildeten die Unterschriften der Gottesdienstteilnehmer.

Viele der Teilnehmer kannten Varnsdorf, die Kirche, das Pfarrhaus noch nicht. Wir fühlten uns alle darin geborgen und wohl aufgenommen.

Das Wetter spielte gut mit und so konnte alles vorher organisiert und ohne Störung durchgeführt werden.

Wir hoffen. dass alle Teilnehmer dieses abwechslungsreichen Tages ein ,,Stück Europa" in die Heimatgemeinden tragen.

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