Gemeindebrief

Liebe Gemeindemitglieder, liebe Freundinnen und Freude unserer altkatholischen Gemeinde,

Die Nachbarwohnung wird renoviert. Ein Tischler verlegt seit mehreren Tagen den neuen Holzfußboden. Zimmer für Zimmer geht es voran. Jeden Abend sieht der Tischler, was er geschafft hat. Schön für ihn, wenn er das Ergebnis seiner Arbeit betrachten kann.

Beneidenswert. Mancher wünscht sich auch ein handfestes Ergebnis am Ende des Tages. So direkt sichtbar wie beim Tischler haben es nicht viele. In vielen Berufen ist das so nicht möglich. Die Lehrerin, der Bankangestellte, die Erzieherin, der Personalchef, die Pflegerin, der Seelsorger können aufzählen wie viele Stunden er oder sie geleistet haben, wie viele Dokumente ausgefüllt oder Gespräche geführt wurden. Aber ein tatsächliches Ergebnis
wie ein fertig verlegter Fußboden am Ende des Tages ist selten sichtbar.

Was wird aus den Menschen, mit denen ich zu tun habe? Was wird das Ergebnis meiner täglichen Arbeit sein?

Ich erinnere mich an eine Geschichte: Drei Arbeiter in einer Hafenstadt schleppen Holz. Sie sägen und hämmern. Ein Fremder kommt und fragt den ersten Arbeiter: „Was tun sie da?“ „Das sehen sie doch. Ich säge Holz,“ sagt dieser und arbeitet weiter. „Und was tun sie?“, fragt der Fremde den Nächsten. „Ich muss Geld verdienen für meine Familie,“ antwortet der zweite Arbeiter außer Atem. Auch der Dritte wird nach seiner Arbeit gefragt. Er legt sein Handwerkszeug auf Seite und schaut den Fremden mit Stolz an: “Ich baue ein Schiff, dass einmal auf den Meeren segeln wird!“

So verschieden kann ich auf meine Arbeit schauen. Alle drei tun dasselbe und doch ist der Unterschied spürbar. Es kommt darauf an, was ich mit meiner Arbeit verbinde. Schaue ich immer wieder einmal auf das Ergebnis und das Ziel wofür ich arbeite? Ich trage dazu bei auch wenn es mir nicht immer so bewusst ist.

„Seid standhaft und unerschütterlich, nehmt immer eifriger am Werk Gottes teil, und denkt daran, dass in Gott eure Mühe nicht vergeblich ist!“ – so schreibt es der Apostel Paulus an die junge christliche Gemeinde in Korinth. (1 Kor 15, 58)

Auch wenn ich am Abend nicht auf einen fertig verlegten Holzfußboden schauen kann, vertraue ich, dass meine tägliche Mühe nicht vergeblich ist. Ich spüre, dass jedes Gespräch, dass ich führe, jede Unterrichtsstunde, jede Begegnung zu einem Ergebnis beiträgt. Unser Arbeiten gehört dazu. Unser Mühen ist bei Gott nicht vergeblich.


Es grüßt Sie herzlich Ihr Pfarrer Armin Luhmer

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