Versöhnung im Zeichen des Heiligen Adalbert - Deutsch-tschechischer Rundfunkgottesdienst aus Varnsdorf im MDR

von Claus Fischer*

 

Jeden Sonn- und Feiertag sendet der Mitteldeutsche Rundfunk einen Gottesdienst aus einer Kirche in Sachsen, Thüringen oder Sachsen-Anhalt. Die meisten dieser Live-Übertragungen kommen aus evangelischen oder römisch-katholischen Kirchen. Einmal im Monat ist der Sender aber auch anderswo zu Gast, u.a. bei den Baptisten, den Methodisten oder der Selbstständigen Evangelisch-lutherischen Kirche (SELK). Voraussetzung für eine Übertragung: die jeweilige Kirche muß Mitglied in der sogenannten „Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) sein.

Seit 2009 haben auch wir Alt-Katholiken etwa alle zwei Jahre die Möglichkeit, rund 300 000 Menschen in Mitteldeutschland - und per Satellit oder Computer auch darüber hinaus - mit uns Gottesdienst feiern zu lassen. Die erste Übertragung kam im Januar 2009 aus dem damals frisch eingeweihten Räumen der sächsischen Gemeinden in Dresden-Strehlen, für alle Beteiligten eine aufregende Sache! Mit Schmunzeln erinnern sich manche bis heute an den technischen Trick, den die Tonmeister anwenden mußten, um aus der „Wohnzimmer-Akustik“ einen „halligen“ Kirchenklang zu machen. Beim zweiten alt-katholischen Radiogottesdienst im Mai 2010 war das allerdings nicht mehr nötig, die Thüringer Gemeinde durfte nämlich die evangelische Michaeliskirche gastweise nutzen. Und auch die nunmehr dritte Übertragung kam aus einer „richtigen“ Kirche und einer genuin alt-katholischen noch dazu! Die liegt allerdings etwa drei Kilometer außerhalb des „MDR-Sendegebiets“, was jedoch keine Schwierigkeit darstellte. Die Kirchenredaktion von MDR-Figaro war von Idee der beiden Pfarrer Jens Schmidt aus Sachsen und Roland Solloch aus Tschechien sogar ziemlich angetan, gemeinsam und zweisprachig aus der Kirche „Christi Verklärung“ in Varnsdorf „über den Sender zu gehen.

Da die sächsischen Gemeinden durch ihre Geschichte ja intensiv mit Böhmen verbunden sind – ihr größerer Teil bestand bis in die 90er Jahre aus vertriebenen Sudetendeutschen – war das Thema der Messe schnell gefunden: die Aussöhnung zwischen Deutschen und Tschechen. Und, welch wunderbarer Zufall: in die Woche vor der Übertragung fiel der Gedenktag des Heiligen Adalbert von Prag am 23. April.

Adalbert stammte aus einem böhmischen Fürstengeschlecht, unter dem Namen Vojtěch wurde um 956 geboren. Nach umfangreicher Ausbildung in Magdeburg wurde er schon in jungen Jahren zum Bischof von Prag geweiht. Auch in den heutigen Ländern Polen, Ukraine, Ungarn und Italien war er tätig. Allerdings war er auch zwei mal „amtsmüde “und zog sich in ein Kloster in Rom zurück. Ein früher Fall von „Burnout “ ? Man weiß es nicht. Schließlich entschloß sich Adalbert, an der Missionierung des Stammes der Pruzzen mitzuwirken, dabei fand er in Gnesen den Märtyrertod.

In seiner Predigt ging Pfarrer Schmidt auf die großen Kriege und ideologischen Verwerfungen im 20. Jahrhundert ein und stellte das nur vordergründig erfolglose Wirken Adalberts als segensreiches Beispiel für uns Nachgeborene dar. Eingerahmt wurde die Predigt von Lesungen und Zwischengesängen in tschechischer Sprache. Das Vater unser innerhalb des Hochgebetes wurde „alternierend“ gesprochen, also auf deutsch und tschechisch.

Rund 15 Mitglieder beider Gemeinden waren an der Liturgie beteiligt, sorgten für musikalische Darbietungen und eine Vielfalt an Sprechstimmen, die ja eine solche Übertragung für den Hörer erst richtig interessant machen. Für alt-katholische Verhältnisse, zumal in Ostdeutschland, war der Gottesdienstbesuch mit rund 50 Personen geradezu überwältigend! Von deutscher Seite hatten Gemeindeglieder aus Dresden, Werdau, Leipzig und sogar Berlin den Weg nach Varnsdorf gefunden. Die meisten waren sogar schon einen Tag vorher angereist, um in „klösterlicher“ Ruhe – im Gästehaus der (römisch!-) katholischen Magdalenenschwestern im benachbarten Jiřetín pod Jedlovou (Sankt Georgenthal) – die Gesänge und Lieder für die Messe einzuüben. Und das hat sich auch gelohnt, lobten doch MDR-Kirchenredakteurin Simone Kittel und der Leiter der Übertragung, Pfarrer Christoph Maas, besonders die sprichwörtliche alt-katholische Sangesfreudigkeit. Sie erreichte am Schluß der Messe ihren Höhepunkt, im Lied zu Ehren des Heiligen Adalbert von Peter Gerloff:

Dein Zeugendienst trug Früchte, dein Mut gewann das Spiel. Durch Moden, Lärm und Süchte zeigst du den Weg zum Ziel.

Lass über alle Grenzen, trotz allem, was sich sperrt, die Macht des Kreuzes glänzen, Sankt Vojtech-Adalbert.

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*der Autor ist Mitglied der alt-katholischen Gemeinde Sachsen. Als freier Journalist arbeitet er für die Kulturprogramme des ARD-Hörfunks, gestaltet u.a. die Sendung „Orgelmagazin“ sonntags um 22 Uhr bei MDR-Figaro. Ehrenamtlich engagiert er sich als Vertreter unseres Bistums in der kirchlichen Rundfunkarbeit beim MDR.